Philosophische
Bildergalerie.
Persische Gedichte von Omar
Chayyam (2006, Goethe&Hafis - Übertragung
Jalal Rostami Gooran und Ludwig
Verbeek).
Besprechung von Wolfgang Kubin
in ORIENTIERUNGEN, Zeitschrift zur Kultur
Asiens, 2/2011:
M
an redet so viel vom sogenannten Gegensatz zwischen Ost und West, man redet so wenig über die Gemeinschaft von Ost und West. Hier haben wir eine schöne Gemeinschaft, wo drei Iraner und ein Deutscher zusammenarbeiten, um eine der besten, weil sprachlich schönsten undgedanklich tiefsten Übertragungen vorzulegen.Anlaß ist der Uni
versalgelehrte Omar Chayyam (1048-1123), der unter anderem auch als Dichter hervorgetreten ist, aber erst Hunderte von Jahren nach seinem Tod publiziert werden konnte. Den Grund können wir leicht finden, denn immer wieder besingt er den Wein, und als Muslim steht ihm solcher nicht zu. Er hat Vierzeiler verfaßt, die eine gewisse Nähe zum klassischen chinesischen Vierzeiler erkennen lassen. Da ja die These aufgestellt worden ist, daß das europäische Sonett aus China über Persien ins Abendland gelangt sei, wäre hier vielleicht, auch aus poetischen Gründen, ausreichend Anlaß zu einem neuen, tiefen Nachdenken gegeben.Bei
spielhaft ist diese Bildergalerie nicht nur wegen der vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen den aus dem Iran stammenden Künstlern und dem Bonner Lyriker Ludwig Verbeek sondern vor allem wegen des überragenden Ergebnisses. Jeder Text ist von einer solch ungeheueren sprachlichen Sicherheit und philosophischen Dimension, daß man sich fragen muß, warum es dergleichen Bücher nicht in den ganz großen deutschen Verlagen gibt. Überall meisterliche Hebung und erstaunliche Senkung der Verse, so daß hier nur Genien am Werk gewesen sein können, für die nicht gilt, was auf Seite 14 perfekt steht: »denn jene selbst, die wissend planen, sie irren durch den Korridor der Welt«. Hier ist niemand geirrt, hier war jeder im Vollbesitz seiner Kräfte, und so wollen wir als Leser denn dankbar dafür sein, was trotz allen Unkenrufen immer noch in deutschen Landen möglich ist, nämlich eine geistige, seelische und sprachliche Nähe. Dafür haben wir Omar Cbayyam zutiefst zu danken.[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ORIENTIERUNGEN - Zeitschrift zur Kultur Asiens]
Leseprobe I Buchbestellung 0112 LYRIKwelt © W.K.